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BRUNNADERN - Ein kontrolliertes Durcheinander: Generationenprojekt Alt und Jung in Neckertaler Seniorenheim nimmt Fahrt auf

Seit kurzem besuchen Kinder der umliegenden Kindergärten und Primarschulen Bewohnende des Seniorenheims Neckertal Liebenau. Heimleiter Roman Strübi verspricht sich von diesem Generationenprojekt positive Auswirkungen auf die Seniorinnen und Senioren, aber auch auf die Kinder.

In der Vorstellungsrunde lernen sich die Seniorinnen und Senioren und die Kinder kennen.

Mit einem gemeinsamen Lied beginnt der Nachmittag.

Erika Prassl und Mila bearbeiten den Teig.

Julian und Heinz Kollegger bildeten zusammen ein Team.

Zwischen den Kindern und den Heimbewohnenden gibt es keine Berührungsängste.

Gemeinsam wird der Teig fürs Backen vorbereitet.

Am Ende des Nachmittags verabschieden sich die Kinder bei allen Heimbewohnenden mit höflichem Handschlag.

Mit Toleranz und viel Verständnis

 

Bericht und Bilder von Urs M. Hemm

erschienen im Tagblatt vom 22. Februar 2022 > :

 

Erwartungsvoll sitzen die Seniorinnen und Senioren im Kreis und warten auf die Kinder des Kindergartens Brunnadern. Man kenne sich schon ein wenig vom letzten Besuch in der vergangenen Woche, sagt Heimleiter Roman Strübi. «Dennoch ist es für die Kinder wie auch für die Heimbewohnenden eine spezielle Situation», sagte er.

 

Es ist kurz vor 14.15 Uhr als die 13 Kinder in Begleitung von drei Betreuerinnen in Zweierkolonnen in den Saal kommen und auf den freien Stühlen zwischen den Seniorinnen und Senioren platznehmen. Mirjam Zwicky, welche zusammen mit Katrin Eicher für die Organisation und Durchführung von Aktivitäten und Veranstaltungen im Haus am Necker verantwortlich ist, begrüsst das Rund und verrät, dass heute gebacken werde. «Um aber gemeinsam in diesen Nachmittag zu starten, singen wir zuerst ein Lied und machen danach eine kurze Vorstellungsrunde.»

 

Für alle eine bereichernde Erfahrung

 

Etwas abseits beobachtet Roman Strübi amüsiert die Szene. Er sagt:

 

«Es ist herzerwärmend, was hier vor sich geht. Die Kinder haben keinerlei Berührungsängste und gehen ohne Vorbehalt auf die Seniorinnen und Senioren zu.»

 

Und auch die Heimbewohnenden würden aufblühen und die Zeit mit den Kindern offensichtlich geniessen. «Es ist für beide Seiten eine sehr bereichernde Erfahrung, von der alle profitieren können», ist Roman Strübi überzeugt.

 

Auf die Idee von Treffen zwischen Seniorinnen und Senioren und Kindergarten- sowie Primarschülerinnen und -schülern sei er im letzten Frühling gekommen. «Mit dieser Idee im Hinterkopf habe ich dann alle Schuleinheiten im Neckertal angeschrieben, wer sich vorstellen könnte, an einem solchen Generationenprojekt mitzumachen», sagt Roman Strübi. Schliesslich haben sich der Kindergarten der Schuleinheit Brunnadern, die Schule Oberes Neckertal in St.Peterzell sowie der Kindergarten und die Schule der Primarschulgemeinde Hemberg/Bächli gemeldet. «Der Rest ist schnell erzählt», sagt Roman Strübi. Denn, um ein Konzept aufzustellen, brauchten die Schulleiterinnen und die Vertreter des Seniorenheims Neckertal gerade mal einen Nachmittag. Er sagt:

 

«Wir wussten alle, wohin wir wollten und welchen Wert solche Begegnungen für alle Beteiligten haben würden.»

 

Neben Roman Strübi waren Monika Wick und Fabienne Follador, beide Kindergärtnerinnen Schuleinheit Brunnadern, Romana Gustin, Schulleiterin der Schule Oberes Neckertal, Martina Langenegger, Schulleiterin der Primarschulgemeinde Hemberg/Bächli sowie Mirjam Zwicky und Katrin Eicher von der Aktivierung und Miroslav Zuparic, Pflegedienstleiter im Seniorenheim Neckertal an der Erarbeitung des Konzepts beteiligt.

 

Abwechslung im Alltag erfahren

 

Mittlerweile haben sich an verschiedenen Tischen Zweiergruppen gebildet – jeweils immer ein Senior oder eine Seniorin und ein Kindergartenkind. Währenddessen verteilen die Betreuungspersonen den vorbereiteten Teig. Schon bald wird losgeknetet. Es entstehen kleine Zöpfe, Igel, Vögel oder Sonnen. Jung hilft Alt und Alt hilft Jung.

 

Während überall kleine Kunstwerke aus Teig entstehen, wird wild drauflos geplaudert und gelacht. An dem einen Tisch geht es eher ruhiger zu und her, am anderen Tisch zeigt ein Bub, wie er das Rad schlagen kann. Irgendwie ist es ein kontrolliertes Durcheinander, das aber allen Spass macht.

«Natürlich soll der Spass im Vordergrund stehen», sagt Roman Strübi. «Wir erhoffen uns aber auch, dass die Heimbewohnenden mit diesen Nachmittagen Abwechslung in ihrem Alltag erfahren, Toleranz und Verständnis gegenüber den Jüngsten unserer Gesellschaft praktizieren und im besten Fall neue gegenseitige Beziehungen aufbauen können.»

 

Die Kinder können bei diesen Besuchen Hemmschwellen und Ängste gegenüber dem Alter abbauen und lernen Rücksicht zu nehmen, Höflichkeit und Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit alten Menschen. Roman Strübi sagt:

 

«Durch das regelmässige Zusammensein von Kleinkindern und Senioren werden ja auch die Familien aller Beteiligten indirekt in dieses Projekt mitintegriert.»

 

So könne nachhaltig der Zusammenhalt im ganzen Tal über alle Generationen hinweg weiter gefördert und unterstützt werden.

 

Durchwegs positive Reaktionen

 

Damit eine gewisse Kontinuität besteht, kommt die gleiche Klasse an jeweils sechs aufeinanderfolgenden Donnerstagnachmittagen. «Damit wir uns im Heim vorbereiten können, haben die Lehrpersonen zusammen mit den Aktivierungsfachfrauen für jeden Nachmittag ein Programm zusammengestellt. So können wir, wie beispielsweise für diesen Donnerstag, rechtzeitig den Teig oder Spiele bereitstellen können», sagt Roman Strübi. Vom Erfolg des Projekts ist er überzeugt. Er sagt:

 

«Die Reaktionen von den Heimbewohnenden wie auch von den Kindern sind äusserst positiv.»

 

Es sei sogar schon die Idee aufgekommen, dass die Bewohnenden am letzten Donnerstag die jeweiligen Klassen im Kindergarten oder in der Schule besuchen. «Es gibt Menschen bei uns, die sicherlich schon seit über 80 Jahren nicht mehr in einem Kindergarten waren. Es wird interessant für diese sein, zu sehen, wie ein Kindergarten heute funktioniert», sagt Roman Strübi.

 

«Einen Zopf machen verlernet man nie», sagt eine Seniorin und zeigt ihr kleines Teigzöpfli. Die Backwaren werden im Seniorenheim gebacken und am Freitag den Kindern geliefert. «Nehmt morgen also nicht zu viel für den Znüni mit, der wird euch gebracht», sagt Roman Strübi.